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 Vargr - Das Mädchen und der Wolf von Vargr

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Vargr - Das Mädchen und der Wolf von Vargr Empty
BeitragThema: Vargr - Das Mädchen und der Wolf von Vargr   Vargr - Das Mädchen und der Wolf von Vargr EmptyFr Feb 26, 2010 8:23 am

Ein schmales Geschöpf streift flink durch den Wald. Langes, dunkles Haar weht hinter ihr her, ihr Mund ist vom Saft frischer Beeren rot eingefärbt, genauso wie ihre feingliedrigen Finger. Ein großer, grauer Wolf ist immer dicht an ihrer Seite. Immer wieder schweifen ihre Augen mit sanftem Blick zu dem großen Tier, wobei sie, ohne auch nur einmal zu straucheln, sicher wie ein Reh weiter ihren Weg durch den Wald findet.
Schließlich bleibt sie vor einem Wolfsbau stehen, streckt ihre Nase in den Wind, als wollte sie Witterung aufnehmen, schaut sich noch einmal rasch um und verschwindet dann in dem dunklen Bau, dicht gefolgt von ihrem grauen Begleiter.

In dem engen Wolfsbau holt Vargr ein Bündel hervor. Frische Beeren kommen zum Vorschein. Ein paar wirft sie sich in den Mund, die restlichen Beeren legt sie sorgsam beiseite. “Frühstück”, murmelt sie dem Wolf zu.
“Karan, mein Bruder, komm her zu mir, ich bin müde”, bittet sie den Wolf.
Als hätte der Wolf nur auf diese Aufforderung gewartet springt er zu ihr. Übermütig springt er Vargr an und schon tollen die beiden in dem engen Bau miteinander. Nach einem verspielten Kampf rollt sich Vargr auf dem Boden zusammen und Karan, der Wolf, kuschelt sich dicht an ihren mageren Körper.

In der Stille beginnen Vargrs Gedanken davonzufliegen.

Nur dunkel kann sie sich an ihre Herkunft erinnern. Da waren zwei, die so waren wie sie. Die wie sie auf nur zwei Beinen liefen. “Mutter” und “Vater” hatte sie diese beiden genannt. Sie hatten in einem kleinen Häuschen gewohnt. Vargr erinnert sich an das ewige Lächeln ihrer Mutter und den brummigen, aber fröhlichen Baß ihres Vaters, der sie oft mit hinaus in die Felder nahm, obwohl sie kaum laufen konnte.

Eines Tages gingen sie auf einem schmalen Weg durch den Wald. Vargr strengt sich an, sich zu erinnern, aber ihr fällt nicht ein, wohin sie wollten. Nur ein einzelner Satz fällt ihr ein. Ein Satz, den sie an diesem Tag immer wieder fröhlich vor sich hin gesungen hat, als sie hüpfend neben ihren Eltern her lief: “Ich bin vier! Ich bin vier! Ich bin vier...”

Plötzlich sprangen dunkle Gestalten in ihren Weg, die ihre Eltern wild hin und her schubsten und mit kreischenden Stimmen brüllten.
“Lauf! Lauf Kleines, lauf! Versteck Dich...”, schrie ihre Mutter mit gellender Stimme.
Das kleine Mädchen hörte wie immer sofort auf den Befehl seiner Mutter und lief los. Auf ihrer Flucht stolperte sie über eine dicke, knorrige Baumwurzel und fiel tief in einen Schwall Laub. Da Vargr weder Himmel noch Erde sehen konnte, blieb sie einfach da, wo sie war still liegen.
Nun hörte sie wieder die flehenden Stimmen ihrer Eltern, die geifernden Stimmen der Fremden. Mit einem Mal bekamen die Geräusche einen metallischen Klang und ohrenbetäubende Schreie bohrten sich tief in Vargrs Ohren, in ihr Gehirn und ihr Herz.
Die Schreie verebbten und die Stille umfing Vargr.

Verängstigt blieb das kleine Mädchen in dem Laubhaufen liegen.
Erst nachdem die Sonne ein weites Stück gewandert war und Vargr zu frieren anfing, kämpfte sie sich aus dem Laub hervor.
Wie von Zauberhand geführt fand Vargr zielsicher den Ort wieder, an dem der Überfall stattgefunden hatte.

Ihre Eltern lagen eng umschlungen auf dem Boden. Ihre Gesichter waren verzerrt und ihre Leiber aufgerissen. Weinend schmiegte Vargr sich zwischen ihre Eltern, die keine Wärme mehr ausstrahlten.

Eine feuchte Berührung im Gesicht weckte sie. Über ihr stand eine wunderschöne, silbergraue Wölfin, die ihr die im Schlaf vergossenen Tränen ableckte. Mit großen Augen, aber ohne Angst betrachtete Vargr die Wölfin. Es war als hörte sie sanfte Worte, aber das konnte doch nicht sein...
Ein Lächeln huschte über das Gesicht des kleinen Mädchens.

Sanft nahm die Wölfin, die Hand der Kleinen zwischen ihre Fänge und zog sie vorsichtig hinter sich her. Ohne zu zögern folgte Vargr dieser Aufforderung und lief folgsam hinter der Wölfin her, die sie zu einer kleinen Höhle führte.
Aus der Höhle drang aufgeregtes Jaulen und Bellen nach draußen.
Die Wölfin gab Vargr einen Schubbs und das Mädchen stolperte in die Höhle, in der bereits fünf junge Wölfe lagen. Verschlafen blickten die Jungen hoch, um einen Augen-aufschlag später an dem kleinen Mädchen hochzuspringen, es umzuwerfen und mit ihm zu spielen.
Die Wölfin setzte sich in den Höhleneingang und bewachte ihre Jungen.

“Kannst Du auch nicht schlafen, Karan?”
Der Wolf putzt Vargrs noch immer beerenverschmierte Hände. “Ich mußte wieder an früher denken. Es ist so lange her, daß ich eine...hm...Zweibeiner gesehen habe. In letzter Zeit denke ich immer öfter daran, daß ich niemanden kenne, der ist wie ich.”
Karan winselte zaghaft leise auf.
“Oh, nein, mein Liebster, versteh mich nicht falsch. Du gehörst zu mir, wie ich zu Dir. Wir sind doch ein Rudel!”, stürmisch umarmt Vargr den Wolf, der ihr dankbar das Gesicht ableckt und leise Laute von sich gibt.
“Du würdest wirklich mit mir ihre Orte aufsuchen? Oh Karan!”

Am nächsten morgen brechen Vargr und Karan auf, um sich die Orte der Menschen und der anderen Völker anszusehen.
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