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 Die dunkle Stunde von Hentzin

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BeitragThema: Die dunkle Stunde von Hentzin   Die dunkle Stunde von Hentzin EmptySa Feb 27, 2010 10:05 am

Sie mustert sich in der Wasseroberfläche die wie ein planer Spiegel daliegt und ihr jede Einzelheit offenbart - ein roter Striemen zieht sich quer über ihr Gesicht und setzt sich am Hals fort, geht über ihre Schulter verschwindet dann unter dem weich fließenden Stoff des weiten Gewandes, das sie für sich so untypisch als Kleidung gewählt hatte. Unschwer kann man erkennen, dass mehrere Verbände ihren schlanken Körper zieren – ein Andenken an die Züchtigung, die sie erdulden musste. Hier allein ohne Beobachtung ist der Schmerz an ihrem Gesicht abzulesen, in diesen wenigen Momenten der Einsamkeit gibt sie ihren Gefühlen nach und offenbart ihre Schwäche. Die Wunden selbst wären nicht das Problem, auch nicht die Verunstaltung in ihrem fein gezeichneten Gesicht, selbst die von dunklen Wundrändern gezeichnete Fortsetzung auf der Schulter – sichtbar stark entzündet - ist es nicht, was ihr den Atem raubt. Es ist das Gift, das noch immer wirkt, das Gift der Schlangenpeitschen, von denen sie drei kosten durfte, drei gleichzeitig und eine davon war die gefürchtetste überhaupt, die der Ilharess ... wieviele Ilythiiri hatten eine Demütigung dieser Schwere je erdulden müssen? Zu groß dürfte die Zahl nicht sein, da ist sie sicher.

Dabei war sie sicher, alles richtig gemacht zu haben. In früher Morgenstunde, als der Großteil von Velkyn sich noch im Reich der Träume befunden hatte, sie fast alle ihre faulen Glieder auf weichen Betten geräkelt hatten und keine Gedanken auf das Quellar verschwendet hatten, zu dieser Zeit war sie aufgestanden, hatte ihre Andacht verrichtet und sich in die Kriegerakademie begeben. Für seine Arbeit hatte Dylen um verzauberte Smaragde gebeten, und sie benötigte Ruhe um die erforderliche Konzentration aufzubringen. Ein Sargtlin schätzte wohl ebenfalls die frühen Stunden und absolvierte seine Übungen an den Puppen, und auch der Velguk erschien überraschend, um aus seiner Lagerkiste etwas zu holen. Man nickte sich zu, in stiller Übereinkunft sich nicht wie die anderen der Sorglosigkeit und Faulheit hinzugeben sondern die Zeit der Arbeit früh zu beginnen und somit das Wohlwollen der Ilharess und damit auch das von Lloth zu erringen. Der Sargtlin verabschiedete sich bald, und nur wenige Minuten später geschah es ... ein weiblicher Darthiir betrat im Schutz der Schatten die Kriegerakademie. Der Velguk – Lloth sei Dank dass er dort war - bemerkte sie mit seinem geschulten Ohr sofort und stellte sie, und ein zorniger Kampf auf Leben und Tod begann. Die Darthiir war kundig in der Handhabung ihrer Waffe und setzte dem Velguk schwer zu, der Boden färbte sich rot vom Blute beider. Schwer verletzt konnte er jedoch endlich den entscheidenden Streich tun und nahm ihr das Leben, schickte sie in das dunkle Nichts ...

Bwael ... das war ihre Erinnerung. Nur das Wohl des Quellars, nur ihre Ergebenheit zu Lloth und ihren Eid an die Ilharess in ihren Gedanken, so hatte der Tag begonnen. Und genau dies wurde ihr zum Verhängnis – die Darthiir hatte bevor sie vom Velguk gerichtet wurde den Orb getötet, eine Tatsache die man erst viel später entdeckte. Doch die Ilharess war außer sich vor Zorn, außer sich weil der Orb getötet werden konnte obwohl sie, Car’yhina, sich zu diesem Zeitpunkt nur wenige Meter hinter den Mauern der Akademie befand, sie und der Velguk. Und beide zahlten, er mit seinem Rang und sie mit der Demütigung der Bestrafung. Und weil sie es nicht einsah, weil ihr dummer Stolz ihr verbot ihre Schuld zu erkennen, und weil sie ihren Hass in ihren Augen nicht verstecken wollte gab sich die Ilharess nicht mehr mit der Auspeitschung durch die anderen beiden Yathrin zufrieden, nein, sie selbst zog ihre gefürchtete neunköpfige Peitsche und vor aller Augen ...

Sie schüttelt den Gedanken ab und betrachtet wieder ihr Spiegelbild im Wasser. In ihren Augen erkennt sie einen Ausdruck der neu ist, etwas war zerbrochen in ihr, der Glaube dahin. Nach dieser Demütigung hatte sie Velkyn verlassen, mit Hass und Zorn im Herzen hatte sie die Wege im Har’oloth eingeschlagen, die ihnen von der Ilharess verboten worden waren. Sie wusste was sie suchte; bereits in Ungnade gefallen konnte man ihr nichts mehr nehmen bis auf das Leben, und in diesem Moment zerfressen von ihrem verletzten Stolz wollte sie es verlieren. Sie suchte nach einem Zeichen von Lloth, nach dem endgültigen Ausweg aus dieser Situation, nach dem Abschluss, der ihr die Schande ersparte zurückkehren zu müssen. Doch sogar Lloth schien sich von ihr abgewandt zu haben –eine Yochlol strafte sie für ihre Unverfrorenheit, sie nahm ihr unter unglaublichen Schmerzen das Leben und schickte sie dann wieder hohnlachend zurück – ihr Leidensweg war nicht zu Ende, er würde weitergehen ... Die Göttin hatte noch etwas mit ihr vor, auch wenn die Yochlol ihr nicht sagte was.

Spät in der Nacht war sie zurückgekehrt nach Velkyn, war durch die Straßen geschlichen, ständig gewahr es könnte jemand auftauchen der sie wieder in aufrechten Gang zwingen würde. Ihr Körper brannte wie Feuer, das Gift der Peitschen wütete bereits seit langem in ihrem Fleisch, ihre Rüstung war übersät von Flecken von verkrustetem trockenem Blut. Nach Stunden der Verzweiflung hatte ihr Wille zum Leben gesiegt, der ohnmächtige wilde Zorn ist dunklem Hass gewichen. Sie würde die Herausforderung annehmen, sie würde sich ihr stellen. Sie wird sie beobachten, alle jene die mit gieriger Freude ihren Fall beobachtet und kommentiert hatten, diese Speichellecker, die jetzt in der Gunst der Ilharess weit oben standen. Auch sie würden fallen, und vielleicht war es ihr vergönnt bei dem einen oder anderen ein wenig nachzuhelfen, vorsichtig selbstverständlich, mit Bedacht und unauffällig. Sie konnte warten ... der Zeitpunkt würde kommen, da war sie sicher. Das war der neue Ausdruck in ihren tiefvioletten Augen, die ruhige Beharrlichkeit einer Schlange, die ihr Opfer sieht und auf den günstigen Moment wartet. Nichts überstürzen, dafür im Zugriff dann tödlich sein. Ihre Schulter pocht im Herzschlag und ihre Finger tasten sanft über den faserigen Rand der Wunde. Im Spiegelbild erkennt sie die Hitzemuster von der Entzündung ... diese Wunde würde nicht ohne Narbe bleiben, das ist bereits zu sehen. Doch sie wird sie mit Stolz tragen, denn sie soll sie Zeit ihres Lebens an diesen Tag erinnern. „Vergeltung“ knurrt sie leise in die Stille, und dann lauter „Vergeltung“. Sie lauscht dem Klang ihrer Stimme, als brauchte sie diese hörbare Bestätigung ihres Entschlusses, um den letzten Rest von Unsicherheit abzuschütteln. Mit einer schnellen Bewegung zerstört sie den ruhigen Wasserspiegel und ihr Bildnis darin zerbricht in unzählige Fragmente. Anmutig erhebt sie sich und wendet sich dem Ausgang zu.

Wohlan, Velkyn, der Tanz möge beginnen ..
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BeitragThema: Re: Die dunkle Stunde von Hentzin   Die dunkle Stunde von Hentzin EmptySa Feb 27, 2010 10:05 am

Der Schmerz in ihrer Schulter tobt – mit jeder Stunde, jedem Tag war es schlimmer geworden, der Zustand hat sich massiv verschlechtert. Die Haut fühlt sich lederartig an, die Wunde selbst hat eine hellrote Färbung angenommen, ist durchsetzt von braunen Flecken und nässt seit zwei Tagen. Ein Verband ist nicht mehr zu ertragen, vor geraumer Zeit hat sie ihn schon abgenommen weil der stetige Druck sie beinahe zum Wahnsinn getrieben hatte. Der aufmerksame Beobachter kann auch erkennen, dass die Brustplatten ihrer Rüstung nur lose befestigt sind, die Riemen nur leicht verbunden damit der Druck auf die Schulter gemindert wird.

Mit einem gepressten Stöhnen nimmt sie ihren Schild auf, der in den letzten Tagen an Gewicht zugenommen zu haben scheint. Natürlich ist ihr klar, dass es an der verletzten Schulter liegt und ebenso ist ihr klar, dass die Verletzung langsam aber sicher in einen bedenklichen Zustand übergeht. Erst gestern hatte sie in einem Übungskampf gegen einen Shebali ihren Schild verloren, schlicht verloren. Die Kraft diesen gegen den zornigen Ansturm des Angreifers zu halten hatte sie von jetzt auf gleich verlassen, zwar konnte sie den Kampf mit Mühe beenden, doch als die Notwendigkeit der Verteidigung erloschen war entglitt er ihren Händen und fiel mit lautem Krach zu Boden. Zum Glück gab es keine Beobachter, denn nach der öffentlichen Züchtigung war ihr Stand schwerer denn je. Dylen, diese kleine Ratte, dieser nichtsnutzige Faern, er dachte sogar er könnte die Situation für sich ausnutzen. Als sie ihm die magischen Steine bringen wollte hatte er diese offen abgelehnt und auf ihre Verblüffung hohnlachend reagiert, unzweideutig auf ihren Fall in der Achtung der Ilharess angespielt. Ssussun, mit den tobenden Schmerzen im Körper und der schleichenden Angst ihren Schildarm in Kürze nicht mehr nutzen zu können hätte sie das nur zu gerne überhört. Sie war eine eher praktische und berechnende Natur; sie sah es nicht zu gerne, wenn die eigene Mannschaft über Gebühr geschwächt wurde, insbesondere nachdem in Kürze diese Aufgabe auf das Quellar wartete. Es würde jeder noch so wertlose Drow gebraucht werden, und sei es nur um die ersten Reihen zu füllen, die samt und sonders unter den verzweifelten Hieben der Verteidiger alle sterben würden. Doch diese Frechheit durfte sie sich nicht bieten lassen, schon gar nicht von diesem ranglosen Jaluk.

Bwael, Dylen hatte teuer bezahlt. Vergnügt tritt ein Lächeln um ihre Mundwinkel als ihr bewusst wird dass er nicht nur bezahlt hatte sondern immer noch bezahlte. Dieser Wael hatte gehofft, dass sie sich in Anbetracht ihrer äußerst unsicheren Stellung nicht wehren würde und wenn doch, dann nur halbherzig, vielleicht ein paar Schläge mit der Peitsche. Doch sie musste ein Zeichen setzen, eine nachdrückliche Bestrafung vornehmen, etwas, was die anderen abschrecken würde. Sie hatte sich für etwas viel grausameres entschieden ... Cahlind, schwarze Schlangen wüten jetzt in seinen Eingeweiden und nur sie war in der Lage ihn von diesem Fluch zu befreien. Er war ihr ausgeliefert, er würde von nun an mit Hass im Herzen ihr Abbil, ihr Freund sein müssen, sonst würde er seine Gäste ewig beherbergen. Zwar hatte sie die Zeremonie vor Lloths Altar viel Kraft gekostet, doch wusste sie dieses geschickt zu verbergen. Dylen hatte sowieso nichts mehr mitbekommen, zu sehr war er damit beschäftigt sich vor Schmerzen zu krümmen und in den wenigen Sekunden, in denen diese halbwegs erträglich wurden sie um Gnade anzuwinseln. Das Lächeln verschwindet, ihr Gesicht wird zu einer steinerne Maske der Verachtung. Woher kam es nur, dass sie immer wieder aufbegehrten, diese dummen Wael. Sie hatte seinen Körper gesehen als sie ihm mit dem Ritualdolch den für die Zeremonie notwendigen Schnitt zugefügt hatte. Er war voll von Zeichen von vergangenen Züchtigungen, schlecht verheilter Narben und flächigen Stellen hellerer Haut, die von ehemaligen Brandwunden zeugten. Sie liebt Narben auf einem Körper, sie liebt es wenn ihre Hand über glatte Haut fährt und auf die Gratung stößt, sie liebt es die Narbe in ihrer Gesamtheit zu erfühlen und sich vorzustellen, was sie verursacht haben könnte. Ein harter Kampf gegen einen angemessenen Gegner gefolgt von dem süßen Gefühl des Sieges, die Wunde eine Trophäe, eine bleibende Erinnerung an den stolzen Moment der Überlegenheit. Doch Dylens Narben wurden weniger durch Kampf verursacht, diese waren anderer Natur. Offenbar war er in der Vergangenheit trotz all dieser Züchtigungen immer wieder aufsässig gewesen, sie würde ihn beobachten müssen – in seinem Geist schien zuviel Hass ihm die Kraft für diese Auflehnung zu geben. Mit Selbstverachtung hatte er sie herausgefordert, hatte erneut das Risiko von einer oder mehreren weiteren Narben in Kauf genommen nur um ihr seine Wut entgegenschleudern zu können. Der Blick aus seinen silbernen Augen, vor der Zeremonie war er eine Kampfansage gewesen ... jedoch danach, danach war es die pure Verzweiflung. Solange er ihre kleinen Gäste beherbergte würde von seiner Seite keine Gefahr drohen, solange konnte sie sich den anderen widmen, die es wagen würden sie und ihre Anweisungen in Frage zu stellen. Es würde sich zeigen, wer noch den Mut finden würde aufzubegehren wenn sie erfahren, welche Strafe den Faern ereilt hatte.

Nur einige wenige Lichtkristalle säumen die Strassen von Velkyn und ihr diffuser Schein mischt sich nach wenigen Metern mit der Dunkelheit und zaubert ein für ihre Augen wohltuendes Zwielicht. Die Straßen sind beinahe leer, es ist wieder die Zeit früh am Morgen, die nur wenige zu nutzen wissen. Ihre Schritte haben sie an das Tor zu den dunklen Gängen geführt, jetzt ist es Zeit ihrer Leidenschaft nachzugehen. Wenn der Hader in ihrem Herzen zu groß wird, ihr Hass ihr die Konzentration raubt verlässt sie die verlogene Stadt und sucht den Weg in das Har’oloth. Hier sind die Regeln einfach – wer den Kampf gewinnt wird überleben, wer verliert wird keinen Rückweg mehr antreten können. Und sie liebt es, den Feind zu überraschen, ihn mit ihrer Klinge zum Rückzug zu zwingen bis er mit dem Rücken an der nackten Felswand steht, ihm in die Augen zu sehen wenn sie ihm den entscheidenden Schlag versetzt, sein Leben schwinden zu sehen wenn er getroffen zusammenbricht. Natürlich gibt es Unterschiede - Goln zum Beispiel verachtete sie, sie waren den Gedanken nicht wert den man verschwenden musste um sie zu den Toten zu schicken. Goln hielten nur auf, kosteten Zeit, waren keine Herausforderung. Die Schleimwürfel aber, das waren Gegner die selbst sie in die Knie zwangen, und das nicht zu selten. Und doch zog es sie gerne immer wieder in den Gang in welchem diese mehrfach gesichtet wurden, denn jeder Sieg den sie gegen einen von diesen erringen konnte ließ ihr Herz höher schlagen, ließ das Blut heiß durch ihre Adern schießen und schenkte ihr tiefe Befriedigung. Lautlos zieht sie ihr Katana aus der Scheide und tritt in das Dunkel des Tors, ein Lächeln der Vorfreude um die Mundwinkel ...
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